Pfarreireise Israel

Eine Reise nach Israel? - Für viele unvorstellbar, da mit zu großen Risiken verbunden. Dabei ist gerade das Heilige Land mit Israel, das heuer übrigens sein 70jähriges Bestehen feiert, und Palästina von einer Faszination umgeben, die im Ursprung der Bibelgeschichte, des Judentums und dem Islam sowie den dort vorherrschenden unterschiedlichen Kulturen begründet ist. Zudem offenbart das Heilige Land eine unbeschreiblich schöne und faszinierende Natur, in der sich  Berge, Wälder, grüne und fruchtbare Landstriche sowie Wüsten abwechseln.

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Die Pfarrei Furth-Schatzhofen hat sich unter der Leitung von Pfarrer Thomas Winderl und unter der Organisation des Bayerischen Pilgerbüros kürzlich mit einer 35-köpfigen Reisegruppe auf den Weg gemacht, das Heilige Land zu erkunden und den Spuren Jesu Christi zu folgen.

Und eines kann gleich vorweg angemerkt werden: Die Reise war für alle Teilnehmer ein besonderes Erlebnis mit tiefgehenden und sicher lange anhaltenden Eindrücken vor allem zu den biblischen Ereignissen und Orten.

Dreieinhalb Stunden dauerte der Flug nach Tel Aviv, dann tauchte man ein in die Urgeschichte des christlichen Glaubens, vermischt mit den orientalischen und jüdischen Kulturen. Am Flughafen wurde die Reisegruppe durch den muslimischen Reiseführer Hassan empfangen, der uns die gesamte Reise über begleitete. Kompetent und begeisternd erzählte er über Israel, Palästina und die angrenzenden Staaten, über politische Hintergründe und Konflikte und über die geschichtlichen Ursprünge und Ereignisse der verschiedenen Religionen. Dabei brachte er stets seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die Menschen in der Region trotz aller Unterschiede der Kulturen und Religionen endlich zu einem dauerhaften Frieden finden.

Über die Autobahn führte der Weg vorbei an der Mauer, mit der das Westjordanland vom übrigen Staatsgebiet abgegrenzt wird. Zum ersten Mal erhielten wir einen Eindruck von dem religiösen und politischen Konfliktpotential im Heiligen Land.

Für die ersten Tage der Reise bezog die Reisegruppe ihr Quartier im Kibuz En Gev am Ostufer des Sees von Genezareth. Eine wunderschöne Hotelanlage überwiegend bestehend aus idyllischen Bungalows, die zudem die willkommene Möglichkeit bot, nach den Besichtigungen jeweils noch im See zu baden und sich etwas zu erfrischen, denn die Temperaturen, die tagsüber erreicht wurden, lagen zu dieser Reisezeit nahezu jeden Tag zwischen 35 und 42 Grad.

Der See Genezareth liegt ca. 280 m unter dem Meeresspiegel und ist mit 23 km Länge und bis zu 13 km Breite das größte Trinkwasserreservoir Israels und damit auch der tiefstgelegene Süßwassersee der Welt. Rund um den See finden sich im Oberen Galiläa auch wichtige und zentrale Orte der christlichen Religionsgeschichte und den bedeutendsten Wirkungsstätten Jesu, wovon zahlreiche Ausgrabungen zeugen: Kafarnaum mit dem Haus des Petrus, über dem heute eine achteckige Gedächtniskirche errichtet wurde, Tabgha, wo nach biblischer Überlieferung das Wunder der Brot- und Fischvermehrung stattfand oder der dem Nordufer nahegelegene Berg der Seligpreisungen, wo Jesus die Bergpredigt gehalten haben soll. Dort auf dem Berg, weithin sichtbar und wo man einen wundervollen Überblick über den gesamten See Genezareth hat, entstand nach den Plänen von Antonio Barluzzi die achteckige Kirche der Seligpreisungen inmitten einer mit Palmen dekorierten Parkanlage. Direkt am Nordufer liegt auch die Primatskapelle, an der Stelle, an der Jesu die Jünger nach ihrer erfolglosen Fischereiausfahrt noch einmal aufforderte, hinauszufahren und ihre Netze auf der rechten Seite des Bootes auszuwerfen, worauf sie erstaunlicherweise einen reichen Fang einfuhren.

Auch die politische Gegenwart, die mitunter für Konflikte und Spannungen sorgt, präsentierte unser Reiseleiter Hassan vor allem bei einer Fahrt über die Golan-Höhen, die uns teilweise im Grenzgebiet sogar über syrisches Gebiet führte. Vorbei an einer Quelle des Jordans und durch die faszinierenden Dörfer der Drusen ging die Fahrt am Fuße des Hermongebirges und vorbei an der Ruine der Kreuzritterburg Nimrud über die Golan-Höhen durch einen von UN-Truppen gesicherten Landstreifen, von dessen Anhöhe man einen weiten Blick hinein nach Syrien hatte. Etwa 60 km waren wir hier noch von Damaskus entfernt, was den einen oder anderen Reiseteilnehmer angesichts der derzeitigen politischen Situation in Syrien schon nachdenklich werden ließ.

Ein weiterer Höhepunkt der Reise war der Besuch in Nazareth, wo Josef und Maria gelebt hatten und wo heute die eindrucksvolle Verkündigungskirche an die damaligen Ereignisse erinnert. Die Kirche ist mit ihrer 57 m hohen kegelförmigen Kuppel die größte und auch eine der bedeutendsten christlichen Kirchen im gesamten Nahen Osten.

Nach der Rundreise durch das Obere Galiläa, die mit einer Fahrt auf den Berg Tabor, auf dem eine wunderschöne Kirche inmitten einer Klosteranlage der Benediktiner steht, abgerundet wurde, ging es mit unserem Reisebus weiter südlich. Entlang dem Jordan, der entgegen unseren Vorstellungen nur ein verhältnismäßig kleiner Bach ist, fuhren wir auf der Straße Nr. 90, die sich von Nord nach Süd durch ganz Israel zieht, zwischen dem fruchtbaren Jordantal und der langsam beginnenden Wüste zum Toten Meer. Nach einem faszinierendem Besuch in Qumram, wo 1947 von einem beduinischen Hirten die geheimnisvollen Schriftrollen gefunden wurden, die als älteste erhaltene Bibelmanuskripte aus der Zeit der Essener gelten, genossen wir einen kurzen Badeaufenthalt am Toten Meer. Hier, 415 m unter dem Meeresspiegel, war die Hitze mit deutlich über 40 Grad fast unerträglich.

Trotzdem bot der Nachmittag willkommene Erholung, bevor die Reise durch die Wüste von Judäa, vorbei an geheimnisvoll anmutenden und einsam gelegenen Beduinendörfern, weiter nach Jerusalem und Bethlehem ging.

Noch am späten Nachmittag führte uns Hassen an einen beeindruckenden Aussichtspunkt, von wo aus man einen herrlichen Überblick über die faszinierende Stadt Jerusalem mit ihren ca. 800.000 Einwohnern hat. Danach bezogen wir unser Hotel in Bethlehem. Jerusalem und Bethlehem sind durch eine beklemmend anmutende, riesige Mauer getrennt. An Checkpoints wird jeglicher Personen- und Fahrzeugverkehr durch schwer bewaffnetes Militär kontrolliert.

Jerusalem war zweifellos der Höhepunkt der Reise. Bemerkenswert war der Unterschied zwischen dem alten und dem neuzeitlichen Jerusalem, zwischen den einzelnen Kulturen der verschiedenen Stadtviertel und den darin lebenden Menschen: Christen unmittelbar neben Muslimen, Juden und orthodoxen Juden. Das politische und religiöse Konfliktpotential, das in diesem Schmelztiegel immer wieder mal aufflammt, war hier allgegenwärtig und immer wieder greifbar, obwohl wir  uns während unseres Aufenthaltes zu jeder Zeit absolut sicher fühlten.

Wie jeden Tag feierte die Reisegruppe zusammen mit Pfarrer Winderl die Hl. Messe, dieses Mal auf dem Ölberg – in der eindrucksvollen Dominus-Flevit-Kirche, die in der Form einer Träne erbaut ist. Vom halbrunden Altarfenster aus hat man einen herrlichen Blick auf den Tempelberg mit dem muslimischen Felsendom und der Al-Aqsa-Moschee. In seinen Predigten ging Pfarrer Winderl stets auf die religionsgeschichtlichen Hintergründe der jeweiligen Orte ein und ergänzte die Informationen unseres Reiseführers Hassan mit Texten und Erklärungen aus der Heiligen Schrift.

Anschließend besuchten wir den Garten Gethsemane, wo teilweise über 2000 Jahre alte Ölbäume stehen, die sicher viel über die Geschehnisse im Zusammenhang mit der Kreuzigung Christi erzählen könnten.

Am Nachmittag stand der eindrucksvolle Tempelberg auf dem Programm, der Zugang dorthin ist mit starken Sicherheitsvorkehrungen und intensiven Personenkontrollen verbunden. Schwerbewaffnete Kräfte von Polizei und Militär bestreifen das Gelände und sorgen für Sicherheit. Zum Abschluss besuchen wir die Klagemauer, an der zu dieser Zeit erstaunlich wenig los ist.

Am nächsten Tag gehen wir die Via Dolorosa entlang, den Weg, den Jesus mit seinem Kreuz hinauf nach Golgotha gegangen ist. Bei der Enge dieser Gassen, die heute durch einen orientalischen Basar führen, kann man sich in das damalige Geschehen in seiner ganzen Dramatik lebhaft hineinversetzen, das macht sehr nachdenklich.

Der Weg endet in der beeindruckenden Grabeskirche, in der heute das damalige Golgotha und das Grab Christi liegen.

Besonders beeindruckend und emotional berührend ist aber auch der Besuch im Haus des Kaiaphas, wo Christus vor seiner Verurteilung in einer Zisterne die Nacht in Todeserwartung verbringen musste.

Hassan zeigt uns schließlich auch das nächtliche Jerusalem, wobei vor allem die Fahrt durch das Viertel der vorwiegend orthodoxen Juden beeindruckte – jene Juden, die, wie wir erlebten,  auch zur Nachtzeit an der Klagemauer stark präsent sind.

Am nächsten Tag stehen in Bethlehem mit dem Besuch des Hirtenfeldes, wo wir wieder unseren täglichen Gottesdienst feiern, und der Geburtskirche zwei weitere eindrucksvolle Örtlichkeiten aus dem Leben Jesu Christi auf dem Programm.

Den Abschluss der Reise bildet ein Besuch in Emmaus, dem heutigen Abu Goch, bevor wir zurück nach Tel Aviv fahren, dort die schöne Kirche St. Peter besuchen und an der Strandpromenade entlang flanieren, welche augenscheinlich ein touristischer Anziehungspunkt des modernen Israels ist.

Schweren Herzens trennen wir uns anschließend von Hassan und unserem Busfahrer, der uns die ganze Woche über routiniert und sicher chauffiert hat. Für uns alle war diese Reise ein ganz besonderes Erlebnis, auf der wir viel über die biblische Geschichte und das Leben und Wirken Jesu und die politischen Zusammenhänge im Nahen Osten gelernt haben. Und auch Eines ist sicher: So mancher aus der Reisegruppe wird aus der erlebten Faszination heraus Israel und Palästina wieder einmal einen Besuch abstatten, denn längst haben wir nicht alle wichtigen Stätten besuchen können.

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