Predigt Fronleichnam und Anregung zum Gebet vor dem Allerheiligsten

Da es bei der Predigt einen Tonausfall gab, hier für die, die wollen, zum Nachlesen. Es gilt allerdings das gesprochene Wort:

  • Seit seinem gewaltsamen Tod des US-Amerikaners Georg Floyd ist eine Geste neu in Mode gekommen, die lange Zeit unschick war und für die meisten fast vergessen schien: der Kniefall.
  • Millionen von Menschen solidarisieren sich mit diesem äußeren Zeichen mit dem ermordeten Floyd und protestieren gegen Rassismus und Diskriminierung, indem sie auf die Knie gehen.
  • Ursprünglich hatte der Protest gegen Rassismus ein anderes Zeichen: in den 1968er Jahren wurde die Faust zum Himmel erhoben. Es entstand der so genannte „Black-Power“-Gruß als Solidarisierung mit der Bürgerrechtsbewegung gegen die Unterdrückung der Schwarzen in den USA.
  • Wer seinen Arm ausstreckt und seine Faust in den Himmel reckt, macht sich größer. Es ist ein Zeichen der Stärke, eine Aufforderung, sich gegen das Unrecht zu erheben. Die Benachteiligten sollen aufstehen und sich dem Unrecht widersetzen, das ihnen widerfährt. Die Menschen, die am Boden sind, sollen aufbegehren, den aufrechten Gang üben, ihren Rücken gerademachen und für ihre Rechte kämpfen.
  • Doch seit der Ermordung des Schwarzen Georg Floyd hat sich ein anderes Symbol durchgesetzt: der Kniefall.
  • Das mag verwundern. Denn das Niederknien ist das Gegenteil des Aufstehens. Man macht seinen Körper nicht größer und stärker, sondern verkleinert ihn. Wer niederkniet, schaut sein Gegenüber nicht auf Augenhöhe an, sondern blickt es von unten an. Das Niederknien ist eigentlich ein Symbol der Unterwerfung und der Niederlage. Der Tod von George Floyd hat ihn umgedeutet.
  • Uns Christen ist diese Zeichenhandlung, das Niederknien, durchaus bekannt: wenn wir eine Kirche betreten, machen wir eine Kniebeuge Richtung Tabernakel, wir knien bei der Wandlung und an Fronleichnam ist es selbstverständlich, dass wir uns beim eucharistischen Segen niederknien. Vor wem knien wir?
  • Wir knien vor Christus, von dem wir glauben, dass er in der Eucharistie wirklich gegenwärtig ist, ganz da, so wie Sie und ich.
  • Wir knien vor dem großen Gott, der sich nicht zu schade ist, dass er sich im einfachen Brot zeigt.
  • Wir knien vor Christus, dessen ganzes Leben und Sterben eine einzige Selbsterniedrigung darstellt: Er war wie Gott, hielt aber nicht daran fest wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Er, der für die Liebe, für die Gleichberechtigung aller, für die Annahme jedes Menschen eintrat, egal, wie krumm die Zeilen der jeweiligen Lebensgeschichte geschrieben waren, er unterwarf sich dem ungerechten Urteil, ließ sich töten, leistete keinen Widerstand, als er geschlagen und verhöhnt wurde.
  • Wir knien vor Gott, der genau diesen „kleinen“ Jesus in die Welt gesandt hat, um die Welt zu erlösen.
  • Wir knien vor Gott, der durch die Auferstehung seines Sohnes den „kleinen“ Jesus ein für alle Mal bestätigt hat.
  • Wir knien vor Jesus, der sich selber erniedrigte, um den Teufelskreis von Gewalt, Hass, Diskriminierung und Elend endgültig zu durchbrechen. Gewalt erzeugt immer Gegengewalt. Ein Verbrechen kann durch kein weiteres Verbrechen wieder gut gemacht werden, Hass kann nur durch Verzeihen besiegt werden.
  • Wir knien vor der unendlichen Liebe Gottes, die er uns für immer zugesagt hat, aus der wir nicht herausfallen können, die jedem Menschen gilt. Ja, unser Gott ist zum Niederknien.
  • Wir knien vor dem Gott, der wirklich in unserer Welt da ist, der sich für uns interessiert, den wir ansprechen können, den wir bitten, anklagen und auch loben und preisen können. Darum gehen wir heute auf die Knie.
  • Indem wir vor diesem Gott knien, soldarisieren wir uns mit allen Menschen, so wie er sich in Jesus mit uns solidarisierte. Indem wir vor diesem Gott knien, machen wir uns nicht kleiner, als wir sind, sondern macht Gott uns groß, indem wir die Macht der Liebe anbeten, durchbrechen auch wir die Spirale von Hass und Gewalt, machen wir klar, dass alle Menschen gleiche Rechte haben, schreien wir in der Stille gegen das Unrecht an.
  • Ich empfinde die Erinnerung an das alte Zeichen des Kniefalls als ein großes Geschenk. Ich glaube, davon kann viel Segen ausgehen, wenn es richtig verstanden und gedeutet wird.
  • Für mich ist dieses Symbol übrigens nicht nur ein rein passives Zeichen. Gerade der einbeinige Kniefall zeigt: Man ist schnell in der Lage aufzustehen. Möge Gott es uns schenken, dass aus der Anbetung die gute Tat und das rechte Wort wird. Amen.

 

Daneben die Anregung zum persönlichen Beten vor dem Allerheiligsten nach einer Anregung eines Textes aus dem 19. Jhdt. von Antonius Maria Claret

Stilles Gebet mit Anleitung

Wir knien vor dem Allerheiligsten. Jesus ist wirklich da und vielleicht könnte Jesus in etwa so zu uns sprechen:

Schön, dass du da bist. Ich habe jetzt Zeit für dich. Ich mag dir zuhören. Sprich einfach mit mir, wie du mit deinem besten Freund oder meiner besten Freundin sprechen würdest.

  • Musst du mich für jemanden um etwas bitten? Nenne mir seinen Namen und sage mir dann, was du möchtest, dass ich jetzt für ihn tun soll. Sprich zu mir einfach und aufrichtig. Erzähl mir von denen, die du trösten willst, von den Kranken, die du leiden siehst. Sage mir für alle wenigstens ein Wort! – Stille –
  • Und für Dich? Brauchst du gerade etwas für dich ganz persönlich? Mache mir, wenn du möchtest, eine Art Liste! Lies sie mir in meiner Gegenwart vor. Sage mir offen, was du brauchst, hab keine Angst, schäme dich nicht! Alles kann ich dir geben. Was brauchst du gerade heute? Was kann ich für dich tun? Wenn du wüsstest, wie sehr ich wünsche, dir zu helfen! – Stille –
  • Trägst du gerade einen Plan mit dir herum? Erzähle ihn mir! Was beschäftigt dich? Was denkst du? Was wünschst du? Was belastet dich? – Stille –
  • Fühlst du dich vielleicht traurig oder schlecht gelaunt? Erzähle mir in allen Einzelheiten, was dich traurig macht! Wer hat dich verletzt? Wovor hast du Angst? Komm her zu mir und lass dich trösten. Ich sehe alles, höre alles und nicht einen Augenblick lasse ich dich im Stich. – Stille –
  • Und hast du mir vielleicht irgendeine Freude mitzuteilen? Lass mich daran teilnehmen? Erzähle mir, was seit dem letzten Gebet dein Herz getröstet und dich zum Lächeln gebracht hat. Vielleicht hast du eine Schwierigkeit überwunden oder bist aus einer belastenden Situation herausgekommen. All das ist mein Werk für dich.
    – Stille –

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